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MS Bremen hat die Nord-West-Passage geschafft!

Die BREMEN hat die NORD-WEST-PASSAGE und damit das letzte große Abenteuer unserer Zeit gemeistert. Unser Kapitän Mark Behrend, die gesamte Crew und unsere Gäste sind glücklich und stolz.

Daher möchten wir Sie noch einmal am letzten Lagebericht von Kapitän Behrend teilhaben lassen.

28.8.2006
guten Morgen Hamburg,

...keine Ahnung, wo uns diese Tage noch hinführen werden. Ich kann nur sagen: unser Kurs stimmt.

Aber noch ist der heutige Tag nicht zu Ende.
Einen Tag, den wir so schnell nicht vergessen werden. War es gestern noch ein entfernter Wunsch, das "missing link" - King Point - in unsere Amundsen-Reise einzubauen, so sind wir nach dem heutigen Tag innerlich wie gelähmt. Die Overtüre dieses 28sten August, war ein Millenium-Feuerwerk in die Tiefen unser aller Emfindungen. Schwarz - Rot -Gold über King Point, dem nochh nie angelaufenen dritten Überwinterungsplatz von Amundsens Gjöa ( see pic.) Noch nie habe ich diese Farben intensiver leuchten sehen, als heute am Himmel. Nicht gestern, nicht morgen ....nein heute ...und wir dabei. Es gibt kein " Warum ? ".

Ich habe unseren schweizer Gästen sagen müssen, dass uns ein vergleichbarer eidgenössischer Tribut nur schwerlich gelingen wird. Wenn eine ganze Armada Zodiacs morgens um 0600 Uhr das Schiff verlässt, um in 1000 mtr. anzulanden und plötzlich stehenbleibt, so als ob alle Boote einen Motorschaden haben, dann hat das seinen Grund: alle wollen nur schauen und fotografieren.

Der Himmel brennt, ...und er brennt diesen Tag ganz tief in uns ein. Der Grund für die Anlandung gerät fast zur Nebensächlichkeit: finden wir irgendwelche Hinweise an Amundsens letzte Überwinterung im Jahre 05/06? In 5 Tagen wird ihn das Eis an seiner Weiterfahrt hindern; in 10 werden er und seine Gefolgsleute bereits den Proviant trockenen Fusses vom Schiff an Land bringen können - über das Eis. Für mich ist das angesichts dieser Eindrücke nur schwer vorstellbar. Aber das Reissaus der Gedanken, findet ein jähes Ende in der klappernden Durchsage per Walki-Talki: hier ist das Grabkreuz von Gustav Wiik ( see pic ). Ich mag es nicht glauben ! Etwas mühsam gestaltet sich für uns alle der Aufstieg durch das tiefe und triefende, bodendeckende Weidengestrüpp. Doch es lohnt ! Das Gefühl, dass sich der Anlauf auch in dieser Hinsicht gelohnt hat, ... der Ausblick. Die Stille ruft jeden von uns...

Die Grizzly-Bärin und ihre beiden Jungen lässt sich in sicherer Entfernung und mit dem Abstand einer dazwischen liegenden Lagune nicht von uns irritieren. Erst später wird sie, 10 Minuten noch unserer Abfahrt, am Strand ihre Tatzen zwischen unsere Fussspuren der Gummistifel setzen. Da sind die Ersten von uns schon dabei, für neuen Speicherplatz auf ihren Speichern der Kameras zu sorgen.


31.8.2006
guten Morgen Hamburg,

" Vessel in sight " - Schiff in Sicht - das waren die erlösenden Worte, die Roald Amundsen und seiner Besatzung am 27.08.1905 auf einen Schlag vor Augen führte: Wir sind durch - wir haben es geschafft. Was danach kam und noch fast ein ganzen Jahr dauerte war Fleissarbeit. Als sie 1906 die Inseln Diomede passierten, versammelten sich alle an Bord, um auf das gemeinsam Erreichte bei einem Schnaps einen Toast auszubringen. Das war am 30.08.1906. Auf den Tag genau, 100 Jahre danach haben auch wir, - nicht auf die zurückliegenden 3 Jahren - , aber an die zurückliegenden 3 Wochen gedacht. Und auch...

... wir haben es geschafft,

wobei ich nichts, als die zurückgelegten Routen miteinander vergleichen möchte.

Wir sind froh und stolz auf die gelungene Nordwest Passage. ... 100 Jahre danach! Gerade haben wir um 22-30 Uhr den Meridian von Point Barrow passiert - in einem Abstand von 1.5 sm. Dabei liegen wir gar nicht in der Zeit. ...sind einen Tag unserer Zeit vorraus.

Um 19-00 Uhr habe ich die Passagiere über dieses gelungene Etappenziel der Reise bei einem Glas Sekt informiert. 138 Gäste und 103 Besatzungsmitglieder haben auf ms Bremen die Nordwest Passage bewältigt. Nun wollen wir in 2 oder 3 Tagen in Nome das Monument von Roald Amundsen besuchen und somit einen historischen Abschluss dieser einmaligen Reise schaffen.

Neben der reinen Bewältigung der Nordwestpassage, war diese Reise aber gespickt mit Besonderheiten, die nur aufgrund der perfekten Wetter- und Eislage möglich waren: 2 malige Durchfahrung der Bellotstrasse mit dem Anlaufen von Ross Point, erstmalige unbegleitete Passage eines Schiffes durch die James Ross-Strasse, 36 Stunden Aufenthalt in Gjöa Haven ( Ausfahrt via Simpson Strait ), Besuch aller Gäste des Eisbrechers Sir Wilfrid Laurier und schliesslich das erstmalige Anlaufen von King Point ( 3. Überwinterung von Amundsen ) mit der Entdeckung der Grabstelle von Gustav Wiik.

Nun haben wir Point Barrow passiert und fahren mit ganz langsamer Fahrt, so dass wir morgen früh vor Barrow Anker werfen werden. Das Eis ist noch nicht verschwunden. Die momentane Zirkulation der Meeresströmungen scheint völlig umgekehrt zu sein. Dreht die Strömung sonst das Eis im Uhrzeigersinne durch die Beaufort See, so bewegt sie sich gegen alle Vorhersagen und unseren Willen genau entgegegngesetzt. Doch jetzt ist es uns egal.

Wer weiss; ..vielleicht lag das Quäntchen Glück ja auch ein wenig an der Original-Stickerei von Roald Amundsen , die wir als Leihgabe von Osloer- Seefahrtsmuseeum dabei hatten.

Ich danke für alle Daumen - es war nicht einer zuviel.

geschrieben von Mark Behrend, Kapitän der MS-Bremen am 01.09.2006 um 20:01 Uhr.


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